Mittwoch, 11. März 2026

Es gibt ja nicht wenige Bands, bei denen man vor allem im Nachhinein denkt: "Warum ist aus denen eigentlich nichts geworden?". Semisonic gehören in die Kategorie. Gerade mal drei Alben hat man veröffentlicht, und "All About Chemistry" aus dem Jahr 2001 ist das letzte echte Album der Band, die offiziell allerdings immer noch existiert.

Ich hatte schon immer eine kleine Schwäche für Alternative Pop/Rock Bands mit gefälligen Sounds. Swell (zu denen komme ich sicher auch irgendwann), Berlin, Charlatans... die Reihe an Bands, die in der Sparte rumschwirren, ist lang. Ebenso lang wie die Liste an Bands, die irgendwie gut waren, es aber nie so richtig geschafft haben. Semisonic hatte zumindest mit "Closing Time" immerhin einen kleinen Hit in den USA, aber mehr kam aus ihnen dann nicht heraus. Obwohl erstaunlicherweise gerade das letzte Album eigentlich voll mit radio­tauglichen, eingängigen und hübschen Songs ist.

Semisonic machen Musik, die man bequem im Hintergrund hören kann. Eine Mischung aus Collage-Rock, Alternative-Rock und Pop. Wer Tiefe erwartet, sollte sich zwar woanders umschauen, aber das Songwriting von Bandleader Dan Wilson ist extrem gut und nimmt einen auf eine schöne, nicht allzu intensive Reise mit. Wilson hat mit Semisonic nicht den großen Erfolg gefunden, was etwas schade ist. Aber dafür hat er als Songwriter für andere Künstler jede Menge Geld verdient. Der Hit von Adele "Someone Like You" geht zum Beispiel auf sein Konto und die Einnahmen dürften ausreichen, um gut durchs Leben zu kommen.

Ich habe keine besondere Verbindung zur Band. Nie zum Interview gehabt, nie live gesehen und an besondere Momente mit dem Album erinnere ich mich auch nicht. Wohl aber, dass es diverse Aussortierungen überlebt hat, weil ich jedes Mal dachte: "Ach, das ist doch eigentlich sehr hübsch, so für zwischendurch."

Wie zuvor erwähnt, habe ich eine Schwäche für diese Art der Musik. Das Leben ist oft nervig, kompliziert und erschöpfend genug. Da brauche ich dann etwas, was nicht stört, was schön und oberflächlich ist und ein wenig gute Laune macht. Manchmal braucht es nicht mehr, aber auch nicht weniger. Was auch der Grund war, warum das Album jahrelang in meinen Autos rumflog. Es ist Musik, die wie die Landschaft an einem vorbeifliegt. Man denkt "Aha, ein Feld mit einem hübschen Baum" und einen Kilometer später hat man es schon wieder vergessen.

Ich habe seit zehn Jahren kein Auto mehr und vermutlich habe ich Semisonic auch seit dieser Zeit nicht mehr gehört. Jetzt ist der Titelsong "Chemistry" wieder in meiner Streaming-Playlist gelandet, die ich für jedes Jahr erstelle.