Dienstag, 10. März 2026

Erstes Album aus meiner verstaubten CD-Sammlung und direkt eine Band, mit der ich eigentlich nie so viel anfangen konnte. POTUS tauchte Mitte der 90er auf und sie stammten aus Seattle. Das war damals für die Labels schon allein Grund, eine Band unter Vertrag zu nehmen. Ich stolperte über die Band auch nur, weil sie bei Columbia unter Vertrag war und auf meinem Tisch landete. Sie hatten den damals üblichen Weg hinter sich. Indie-Label hatte sie entdeckt, das Album landete irgendwann mal auf dem Tisch eines A&R bei Sony/Columbia.

Columbia war eigentlich das eher "konservative" Label bei Sony. Für den Krawall war "Epic" zuständig. Aber es gab natürlich auch Konkurrenz zwischen beiden Sub-Labels und so schnappte sich Columbia ein paar Bands, die gerade auf der Grunge-Welle mit schwimmen wollten.

Wobei man POTUS zugute halten muss, dass sie aus der Punk-Ecke stammten, was man hier und da auch noch bei den Bass-Läufen, oft nur mit drei Saiten bespannt, hören kann. Ist jetzt aber auch nicht so, dass die Band sonderlich komplexe Musik spielte. Verspielter als die meisten Grunge-Bands und vor allem mit einer guten Portion Humor ausgestattet, war das erste selbst betitelte Album eine ganz nette Angelegenheit.

Der einzige wirklich große Hit der Band stammt auch von dem Album. "Peaches" ist nett, ein wenig amüsant mit einem, nun ja, eher nihilistischen Text. Aber schön produziert mit einem Refrain, der zum Mitgrölen animiert. So ein bisschen zwischen den frühen Midnight Oil und Red Hot Chili Peppers angesiedelt, passten Song und Album ganz gut in die damalige Zeit.

Ich kannte etliche Leute, die das Album in Dauerschleife hörten und mir in den Ohren lagen, dass es das nächste große Ding sei. Ich war da eher skeptisch. Gefällig ja, etwas ausgefallen, aber dann auch wieder oberflächlich fand ich die ganze Sache. Anders als die meisten fand auf dem Album auch nicht "Peaches" so toll, sondern "Dune Buggy", "Back Porch" und "Candy". Schöner Song, gute Musik beim Autofahren.

POTUS machte dann auch nicht lange. Das zweite Album schlug in die gleiche Kerbe, kam aber zu spät, weil Grunge nicht mehr so angesagt war und die Leute eher zwischen Pulp, Portishead und Elektro hin und her schwankten. Die Band löste sich 1998 auf, probierte ein paar Restarts, trennte sich dann aber laut Wikipedia 2015 endgültig.

POTUS ist ein schönes Beispiel für ein "One-Hit-Wonder" im Rockbereich. Talentiert, aber dann leider nicht in der Lage, dem Genre Grunge/Surfpunk eine neue Richtung zu geben. Es gab deutlich bessere Bands, die damals unterwegs waren (und auch nicht erfolgreich wurden). Ein paar davon werden hier auch noch auftauchen.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht heute, dass das Album all meine Entrümplungsanfälle überlebt hat. Als ich es heute erneut gehört habe, fand ich es tatsächlich etwas besser, als ich es in Erinnerung hatte. Am Ende war es, glaube ich, "Dune Buggy" das sie vor dem Verkauf auf dem Flohmarkt gerettet haben.

4/10




Musik spielte schon immer eine große Rolle in meinem Leben. Als Teenager sowieso, später war der Musikjournalismus der Schritt in mein späteres Arbeitsleben als Journalist. Mal abgesehen von meiner Arbeit in der Szene zwischen 1990 und 2000 (als Journalist und PR/Marketing-Mensch für Edel Records und Sony Columbia) habe ich, seitdem ich denken kann, mich für Musik interessiert. Schuld daran war auch die relativ übersichtliche, aber gut sortierte Vinyl-Sammlung meiner Eltern, die von Elvis über Neil Diamond bis zu Black Sabbath reichte.

In den späten 70er-Jahren kamen meine ersten eigenen LPs zu mir. Die erste war das Village People Album "Cruisin’", das zweite war ein Geschenk meiner Cousine: Manfred Man "Angel Station". In den, im Vergleich zu heute, musikalisch ziemlich wilden 80er-Jahren, besorgte ich mir dann aus dem Radio so gut es ging, alles, was mich irgendwie interessierte. Punk, NDW, EBM, Pop, Elektro, Rock. Die Tapes sind leider verloren und viel Vinyl habe ich nie gehabt. Die kosteten zu viel und außerdem gab es dann die CDs.

Mein CD-Archiv wuchs aber vor allem in der Zeit zwischen 1986 und 2000. Einerseits, weil ich viel kaufte, andererseits, weil ich als Journalist später in der Vollbemusterung einiger Labels war und zusätzlich Zugriff auf die Sachen meiner Arbeitgeber hatte. Irgendwann hatte ich knapp 2000 CDs.

Da ich aber auch oft umgezogen bin, waren 2000 CDs eher hinderlich, und ich habe dann schrittweise aussortiert. Übrig geblieben sind nur die Sachen, die ich wirklich mochte oder die eine besondere Bedeutung in meinem Leben hatten. Sei es aus Sentimentalität, sei es, weil sie den Einstieg in eine neue Musikrichtung bedeuteten. Übrig geblieben sind noch rund 300 CDs.

Die fristen seit einem knappen Jahrzehnt nun ein verstaubtes Dasein in einem Regal. Musik-Streaming macht halt faul. Ich frage mich seit einiger Zeit, was ich mit CDs machen soll. Irgendwo im Hinterkopf schlummert die Idee, mir per eBay eine 80er-Jahre-Musikanlage zusammenzukaufen, aber dafür fehlt mir in der Wohnung im Moment der Platz.

Aber Musik ist ja Erinnerung, und ich dachte neulich noch, dass manche Erinnerungen so fest an Musik geschweißt sind, dass es schade wäre, diese Erinnerungen einfach liegenzulassen. Also habe ich beschlossen, mal wieder, ein Blog aufzumachen*. Die hier gezeigten CDs stammen alle aus meinem Regal, das zu 90 Prozent komplett unsortiert ist. Es gibt keine Sortierung, weder nach Farbe, noch A-Z oder Erscheinungsjahr. Ich fange jetzt ganz links an und arbeite mich stetig, aber unregelmäßig, durch die mehrreihigen Stapel.

Das wird auch eine kleine Reise für mich, denn ich habe auch keine Ahnung, was ich da alles finden werde. Und welche Erinnerungen die Musik auslösen wird.

*Einige, noch lebende, Menschen werden sich eventuell an mein Blog "Irgendwas ist ja immer" hier auf Antville erinnern. Das existiert auch noch und wird einmal im Jahr gefüttert.