Erstes Album aus meiner verstaubten CD-Sammlung und direkt eine Band, mit der ich eigentlich nie so viel anfangen konnte. POTUS tauchte Mitte der 90er auf und sie stammten aus Seattle. Das war damals für die Labels schon allein Grund, eine Band unter Vertrag zu nehmen. Ich stolperte über die Band auch nur, weil sie bei Columbia unter Vertrag war und auf meinem Tisch landete. Sie hatten den damals üblichen Weg hinter sich. Indie-Label hatte sie entdeckt, das Album landete irgendwann mal auf dem Tisch eines A&R bei Sony/Columbia.

Columbia war eigentlich das eher "konservative" Label bei Sony. Für den Krawall war "Epic" zuständig. Aber es gab natürlich auch Konkurrenz zwischen beiden Sub-Labels und so schnappte sich Columbia ein paar Bands, die gerade auf der Grunge-Welle mit schwimmen wollten.

Wobei man POTUS zugute halten muss, dass sie aus der Punk-Ecke stammten, was man hier und da auch noch bei den Bass-Läufen, oft nur mit drei Saiten bespannt, hören kann. Ist jetzt aber auch nicht so, dass die Band sonderlich komplexe Musik spielte. Verspielter als die meisten Grunge-Bands und vor allem mit einer guten Portion Humor ausgestattet, war das erste selbst betitelte Album eine ganz nette Angelegenheit.

Der einzige wirklich große Hit der Band stammt auch von dem Album. "Peaches" ist nett, ein wenig amüsant mit einem, nun ja, eher nihilistischen Text. Aber schön produziert mit einem Refrain, der zum Mitgrölen animiert. So ein bisschen zwischen den frühen Midnight Oil und Red Hot Chili Peppers angesiedelt, passten Song und Album ganz gut in die damalige Zeit.

Ich kannte etliche Leute, die das Album in Dauerschleife hörten und mir in den Ohren lagen, dass es das nächste große Ding sei. Ich war da eher skeptisch. Gefällig ja, etwas ausgefallen, aber dann auch wieder oberflächlich fand ich die ganze Sache. Anders als die meisten fand auf dem Album auch nicht "Peaches" so toll, sondern "Dune Buggy", "Back Porch" und "Candy". Schöner Song, gute Musik beim Autofahren.

POTUS machte dann auch nicht lange. Das zweite Album schlug in die gleiche Kerbe, kam aber zu spät, weil Grunge nicht mehr so angesagt war und die Leute eher zwischen Pulp, Portishead und Elektro hin und her schwankten. Die Band löste sich 1998 auf, probierte ein paar Restarts, trennte sich dann aber laut Wikipedia 2015 endgültig.

POTUS ist ein schönes Beispiel für ein "One-Hit-Wonder" im Rockbereich. Talentiert, aber dann leider nicht in der Lage, dem Genre Grunge/Surfpunk eine neue Richtung zu geben. Es gab deutlich bessere Bands, die damals unterwegs waren (und auch nicht erfolgreich wurden). Ein paar davon werden hier auch noch auftauchen.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht heute, dass das Album all meine Entrümplungsanfälle überlebt hat. Als ich es heute erneut gehört habe, fand ich es tatsächlich etwas besser, als ich es in Erinnerung hatte. Am Ende war es, glaube ich, "Dune Buggy" das sie vor dem Verkauf auf dem Flohmarkt gerettet haben.

4/10