Donnerstag, 12. März 2026

Fast aus dem gleichen Jahr wie das Semisonics Album stammt das Debüt von Leona Naess. Die Dame hat eine illustre Familie, in der sich einige Musiker und Schauspieler tummeln. Ihr Vater war in den 80er-Jahren mal mit Diana Ross verheiratet, was ihrer Entscheidung, Musikerin zu werden, sicher nicht geschadet hat. Das Debüt-Album einzuordnen, ist nicht so ganz leicht. Ich habe mich in die Wayback-Machine gestürzt, um zu schauen, was die Magazine damals so geschrieben haben. Da war dann alles dabei. Von "Beachtenswert" bis zu einem etwas despektierlichen "Zuckerwatte ohne Gehalt".

Ich mochte das Album sofort, als es auf den Markt kam. Ich meine, Kollegin C. aus der Musikbranche machte mich auf Naess aufmerksam, was ich dann mehr oder weniger blind kaufte, da ich der Kollegin in Sachen Musikgeschmack relativ blind vertraute. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Sie schwirrt irgendwo im Eddie Brikell, Tori Amos, Danielle Brisebois Universum herum, ohne sich auf dem Debüt allerdings allzu weit abzuheben oder musikalisch aus dem Fenster zu lehnen. Es ist dann doch eher ein Pop-Album, ohne den Anspruch zu haben, etwas anderes sein zu wollen. Was man dann auch an den Texten merkt, die jetzt nicht gerade großen Tiefgang besitzen. Collage-Girl-Pop, und ich meine das nicht abwertend.

Naess brachte noch drei weitere Alben raus, darunter "I tried to rock you but you only roll", das etwas besser lief als das Debüt. Ende der 00-er Jahre verschwand sie dann aus der Öffentlichkeit und tauchte seitdem auch nicht mehr auf.

Ich mag das Album. Es erinnert mich, zumindest teilweise, an Nina Nastasia, eine meiner liebsten Neo-Folk Sängerinnen aus den USA. Auch wenn die Texte manchmal etwas klebrig sind, die Songs sind wunderbar leicht, sehr schön und einfallsreich produziert. Sie schweben durch den Raum und verbreiten nichts anderes als eine warme Stimmung. Der Titelsong des Albums spiegelt das sehr schön wider.

Das ist kein großes Album, keins, das es mich begeistert, anderen Leuten empfehlen lässt. Aber es hat ein paar Songs, die in meinem Repertoire seit 20 Jahren immer mal wieder auftauchen. Denn es gibt ja diese Songs, die wie ein altes Stofftier in der Ecke schlummern, aber wenn man sie wiederentdeckt, hat man dieses wunderbare, warme Gefühl. Und Nostalgie ist ja auch nichts Schlechtes.

5,5/10